Petite Camargue Alsacienne
Eine äusserst abwechslungsreiche und spannende Exkursion am Dreiländereck bei Basel gab historische Einblicke in ein dunkles Kapitel der jüngeren europäischen Geschichte und einen Eindruck über die ehemals ausgedehnten Rheinauen mit ihrer überaus reichen Vogelwelt
Am Sonntag, 8. September trafen sich frühmorgens 17 Vereins-Mitglieder frohen Mutes an der Schifflände in Maur. Mit einem gemieteten Kleinbus und 2 weiteren Autos fuhren dann die Exkursionsteilnehmer über Basel ins grenznahe, deutsche Weil am Rhein. Das Ziel war der Zutritt zur französischen Rheininsel über die deutsche Seite. Der nur für Fussgänger und Fahrräder geöffnete Flussübergang über die Stauwehr beim Altrhein in Märkt. Bevor die Exkursionsteilnehmer aber die Grenze nach Frankreich passierten, versammelten die Exkursionsleiter Michael Gerber und Eveline Schüep die ganze Schar nahe bei einem deutschen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Dieser historische Bunker diente einer Flak-Stellung im grossen Krieg als Befestigung. Michael erzählte anhand von Bildern auf seinem iPad von den dramatischen Ereignissen vor fast genau 40 Jahren. Am 8. Oktober 1944 wurde um die Unversehrtheit dieses Wehrs hart gekämpft. Fliegertruppen der Alliierten, Briten und Polen, kämpften einen halben Tag lang hart gegen die deutsche Fliegerabwehr. Mehrere Treffer führten schliesslich zu einer rasanten Absenkung des Rheinwasserspiegels. Die Rheinhäfen Basels lagen auf dem Trockenen. Man wollte somit einer mutwilligen Überflutung bei einer allfälligen Rheinüberquerung der alliierten Truppen zuvorkommen.
Nach diesem kriegshistorischen Intermezzo ging es friedlich über die Stauwehr auf französischen Boden. Man trennte sich in zwei Gruppen, welche jeweils von Eveline respektive Michael geführt wurden. Ziel war es, einen Eindruck über die ehemaligen Rheinauen zu geben. Vor der Rheinkorrektur im 19ten Jahrhundert begleiteten diese den Fluss von Basel auf einer Strecke von 300 km. Mit den diversen Korrekturphasen nach den Plänen des badischen Ingenieurs Tulla verschwanden diese aber praktisch alle. Zwischen 2013 und 2015 wurde im südlichen Teil der Rheininsel eine grosse Renaturierung umgesetzt. Dabei wurden 129 Hektaren Ackerflächen zu einer Aue umgestaltet. Immerhin ist das Gebiet wieder so gross, dass es unmöglich war an einem Morgen die ganze Aue zu erforschen. Doch einen guten Eindruck erhielten die Exkursionsteilnehmer vom zentralen Hide und dem dazugehörenden Spaziergang allemal. Auch gab es schöne Sichtungen der Vogelwelt. Unter anderem von Silberreihern, Flussuferläufern und Graugänsen.
Danach setzte man sich wieder in die Fahrzeuge und fuhr über die Palmrheinbrücke direkt von Deutschland ins elsässische Hunique und von da nach Village-Neuf. Beim Naturschutzzentrum der alten Schleuse, dem Maison Eclusière, fanden alle Teilnehmer einen Picknick-Platz für das wohlverdiente Zmittag. Das Wetter hielt bis dahin immer noch. Doch machten Wolken die kommende Wetterveränderung bereits sichtbar. Man eilte nun vorwärts, teilte die Teilnehmer wieder in zwei Gruppen und beging nun das ältere Naturschutzgebiet der Petite Camargue Alsacienne, welches rund um die Fischteiche und Fischzuchten Napoleons des Dritten angesiedelt ist. Von insgesamt 4 Hides, welche besucht wurden, konnten sehr schöne Sichtungen gemacht werden. Unter anderem vom Fischadler und mehreren Eisvögeln. Besonders hervorheben sollte man hier auch die Beobachtung einer (leider heutzutage) sehr seltenen Sumpfschildkröte. Grad knapp auf Einsetzen des Regens waren alle Teilnehmer wieder zurück bei den Autos. Die Rückfahrt gestaltete sich trotz eines kleinen Staus vor dem Gubrist als recht kurzweilig: Hatte man sich doch entweder viel zu erzählen oder man schlief nach dem ereignisreichen Tag einen gesunden Autoschlaf. (mig)